Die Seminarabende der LACANschen Orientierung Berlin (L.O.B.)

2019 / 2020:

Die Weiblichkeit - Lacans Seminar Buch XX, 'Encore'

 

Die Weiblichkeit – Lacans Seminar XX

 

Von Freuds Frage „Was will das Weib?“ zu Lacans Aphorismus „Es gibt nicht Die Frau. Ein langer Weg steht zwischen diesen beiden unterschiedlichen Formulierungen. Was ist eine Frau, welche psychischen Unterschiede zwischen Mann und Frau sind in der Klinik festzustellen? Sind Mann und Frau Gebilde der Sprache, oder gibt es eine substantielle Unterscheidung, wie zum Beispiel die Anatomie suggerieren würde. Gibt es eine Verbindung zwischen Anatomie und dem Unbewussten?

Während  Freud der Schwierigkeit der Definition einer weiblichen Psyche in Termini von Begehren und Phallus antwortete, behandelt Lacan sie indem er ein spezifisch weibliches Genießen hervorhebt, das er vom phallischen Genießen unterscheidet.

Ist diese Schwierigkeit dieselbe die sich in den verschiedenen Rückforderungen der verschiedenen Etappen von Frauenbewegungen, und danach den „Gender“ Theorien, durch die Jahrzehnte wiederspiegelt?  Mit Lacans Entwicklungen im Seminar XX wird es äußerst schwierig werden, weiter von Frauen und Männern zu sprechen, denn es wird darum gehen, das jeweilige Genießen eines Sprechwesens zu erkennen, welches sich unabhängig von der sexuellen Identifizierung etabliert. Woraus besteht dann eine sexuelle Identifizierung, welche Rolle spielt der Phallus noch dabei, welche Bestimmung folgt daraus für die Sprache, und welche Konsequenzen hat diese neue Einreihung des Problems für das was man dann feminin nennt?

 

Wir werden über das Jahr die ersten 8 Kapitel des Seminars XX, „Encore“ lesen, um diesen Fragen näher zu kommen.

 

 

Montags 20 Uhr:

 

Lacan, Jacques; Das Seminar, Buch XX, Encore [1972-73], Ü.: Norbert Haas, u.a., Turia & Kant, Wien, 2015

 

21. Okt. 2019: Kap.1, Vom Genuß

4. Nov.: Kap. 2, Für Jakobson

9. Dez.: Kap. 3, Die Funktion des Geschriebenen

20. Jan. 2020: Kap. 4, Die Liebe und der Signifikant

17. Feb.: Kap. 5, Aristoteles und Freud: die andere Befriedigung

16. Mär.: Kap. 6, Gott und das Genießen der Frau

27. Apr.: Kap. 7, Eine lettre d’âmour

11. Mai.: Kap. 8, Das Wissen und die Wahrheit

Teilnahmegebühr:

€ 50 für die Serie / € 10 pro Termin

Kontakt: LacanscheOrientierungBerlin@gmail.com

Ort: Mathematik in Berlin (MiB)

7 Stock (Klingeln bei MiB, dann Fahrstuhl zum 6. Stock, letzter Stock zu Fuß)

Hardenbergstr. 8, 10623 Berlin (zwischen Zoo und Ernst-Reuter Platz)

 

Berliner Zadig-Labor für das Politische der Psychoanalyse

Zadig, Berlin 

Zero Abjection Democratic International Group

 

Von Grenzen und Passionen

30 Jahre nach dem Mauerfall

 

Die Psychoanalyse hat einen sehr spezifischen Einblick in das Unbehagen in der Kultur, und kann demnach einen Beitrag leisten, um eine neue, kritische, örtliche, oder auch globale Konversation zwischen verschiedenen Disziplinen zu ermöglichen, die diesem Unbehagen eine Formulierung geben, ihm eine Logik entziehen. Ein Dialog dieser Art zielt auf eine vertiefte, gemeinsame Aufmerksamkeit auf die Herausforderungen unseres modernen Lebens, und den Möglichkeiten diesen zu begegnen, ab.

 

In unserer sogenannten Epoche der „Post Truth“, wird so ein Beitrag notwendig, wenn sich das Gefühl einer subjektiven Desorientierung auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens, immer mehr verbreitet.  Die alten Gewissheiten, in ihren politischen, sozialen, finanziellen oder beruflichen Ausweitungen, sind alle aufgeschüttelt worden. Die Zukunft scheint vollkommen ungewiss zu sein, bis zu existentiellen Gefahren, wie das Klima oder der Verlust der Artenvielfalt. Zygmunt Bauman (Flüchtige Moderne, 2003) sagt es so: „Wir leben in einer Welt von universaler Flexibilität, unter Bedingungen der akuten und aussichtslosen Unsicherheit, die in alle Aspekte des individuellen Lebens eindringt.“ Diese Unsicherheit scheint zu neuen Reaktionen und Symptomen zu führen, die nicht die alten Einschränkungen haben, und mit neuen Lebensweisen einhergehen.

 

Der 30. Jahrestag des Mauerfalls soll für uns eine Gelegenheit sein, die Kontouren von unseren Grenzen und Passionen neu zu überdenken. Mit der Globalisierung haben sich die Grenzen von Gestern verschoben, verflüchtigt, entmaterialisiert, und damit hat sich auch unser Bezug zu unseren Passionen tiefgreifend verändert.

 

Unter dem Namen „Zadig“ sollen Initiativen erfunden werden die einen Raum gestalten, Foren, in denen sich zwischen der Psychoanalyse und verschiedenen Zweigen der Geistes- und Kulturwissenschaften, Kunst und Politik, Dialoge über die Probleme und Symptome unserer Gegenwart entwickeln können.

 

Liste der Themen:

 

Der Andere der nicht existiert

Das Ende der Ideale

Post-Wahrheit

Neue Symptome: Müdigkeit, Depression

Der Affekt des Schams

Der kapitalistische Diskurs

Zeit der Lathousen

Das Jahrhundert der Lager

Risikogesellschaft (nach Ulrich Beck)

Wissenschaft und Wahrheit

Segregation

Freitag, 29. Nov. 2019, 19.30 Uhr

SPRECHSAAL

Marienstr. 26, Berlin Mitte

Eintritt frei

 

Kartelle

Ein Kartell ist eine Arbeitsgruppe, die aus 4 Mitgliedern, plus Einem besteht. Eine kleine Gruppe also, die jedem Teilnehmer gestattet, das Werk von Jacques Lacan von seinen eigenen Fragen ausgehend, zu bearbeiten. Einzige Voraussetzung ist ein Interesse Lacan zu lesen und sich auszutauschen.

 

Die Personen die sich zu dieser Art des Studierens zusammen gefunden haben wählen einen Text oder ein Thema. Man trifft sich ungefähr einmal im Monat, oder auch öfter, um die individuelle Arbeit voranzubringen und mit den Anderen zu diskutieren. Der Plus Eine arbeitet genauso mit, übernimmt aber darüber hinaus die Rolle der Orientierung der Arbeit, falls erforderlich.

Die Dauer dieses Zusammenarbeitens ist variabel und hängt von dem Begehren der Beteiligten ab, sollte aber nach ungefähr zwei Jahren seinen Abschluss finden. Danach kann man sich neu gruppieren um einen anderen Text oder ein anderes Thema zu bearbeiten.

 

Wer mehr darüber erfahren möchte, oder auf der Suche nach einem Kartell ist, kann sich gerne per Email mit uns in Verbindung setzen: lacanscheorientierungberlin@gmail.com